Psychosoziale Aspekte körperlicher Krankheiten

Gemeinsamer Kongress der
Deutschen Gesellschaft für Medizinische Psychologie (DGMP) und der
Deutschen Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)

24. - 27. September 2008 in Jena


Pre-Conference Workshops am 24.09.2008


Formular für die Anmeldung zu den Workshops


Workshop 1: Prof. Dr. U. Ravens-Sieberer und Dr. M. Erhart
Erfassung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität - Herausforderungen und neue Entwicklungen
14.00 - 17.30 Uhr, Teilnahmegebühr 20 EUR, max. 20 Teilnehmer

Vor dem Hintergrund einer Erörterung basaler konzeptueller Aspekte des Konstruktes "Gesundheitsbezogene Lebensqualität" (HRQoL) hinsichtlich seiner Struktur und Hauptkomponenten werden in diesem Workshop aktuelle Herausforderung in Bezug auf die Erfassung der HRQoL aufgearbeitet und die Möglichkeiten zu ihrer Bewältigung aufgezeigt. Aktuelle Herausforderungen betreffen die klinische Diagnostik der HRQoL durch präzisere und gleichzeitig aber auch ökonomischerer Verfahren, sowie die Vergleichbarkeit von Messergebnissen über unterschiedliche Instrumente. Weitere Herausforderungen betreffen die Erfassung der HRQoL bei spezifischen Populationen und Patientengruppen wie z.B. Kindern und Jugendlichen, sowie eine über unterschiedliche soziodemografische- oder kulturelle- Gruppen vergleichbare Messung. In diesem Workshop wird zunächst am Beispiel des SF-36 Messinstruments die derzeitige Praxis der HRQoL Erfassung dargestellt sowie Möglichkeiten und Grenzen des SF-36 erörtert. Anschließend werden die sich mit der Verwendung moderner probabilistischer Testmodelle ergebenden Potentiale zur Begegnung der angesprochenen Herausforderungen behandelt: Anhand praktischer Beispiele werden folgende Aspekte behandelt: i) die Identifikation grundlegender Messdimensionen der HRQoL durch Itembanking und Kreuzkalibrierung von Messergebnissen unterschiedlicher Instrumente; ii) die klinische Diagnostik der HRQoL mittels Computer-adaptiver Testverfahren; sowie iii) die Identifikation unterschiedlich funktionierender HRQoL Indikatoren - sogenannte Differential Item Functionning. Die Besonderheiten der HRQoL Erfassung bei Kindern und Jugendlichen werden am Beispiel aktueller Instrumentenentwicklungen dargelegt.
Workshop 2: Prof. Dr. W. Langewitz
Überbringen schwerwiegender Nachrichten
14.00 - 17.30 Uhr, Teilnahmegebühr 50 EUR, max. 30 Teilnehmer, zertifiziert von der LÄK

Anhand von vorbereiteten Beispielen aus dem klinischen Alltag erarbeiten Teilnehmer zunächst eigene Zielvorgaben für ein gelungenes Gespräch, in dem schlechte Nachrichten übermittelt werden. Mit Unterstützung durch einen Schauspiel-Patienten ist es den Teilnehmern möglich, die verschiedenen Varianten einer professionellen Kommunikation im Rollenspiel selber auszuprobieren. W. Langewitz wird über die allgemein akzeptierten Grundsätze zum Mitteilen schlechter Nachrichten aus der Literatur informieren, die Fachleuten bestimmte Kommunikationstechniken und -inhalte ans Herz legen.
Workshop 3: Prof. Dr. R. Steyer
Einführung in die Analyse kausaler Effekte mit EffectLite, Mplus und LISREL
14.00 - 17.30 Uhr, Teilnahmegebühr 20 EUR

Der Workshop richtet sich an diejenigen, die an der Datenanalyse in experimentellen und quasi-experimentellen Studien interessiert sind, die manifeste oder latente, qualitative oder quantitative Kovariaten (Vortests, Geschlecht, etc.), eine qualitative Treatmentvariable und eine oder mehrere manifeste oder latente, quantitative Outcomevariablen beinhalten. EffectLite analysiert eine verallgemeinerte multivariate Varianz- und Kovarianzanalyse. EffectLite erzeugt Mplus bzw. LISREL Input files, liest und interpretiert die Ergebnisse, berechnet einige extra Statistiken und produziert ein Outputfile mit den wichtigsten Ergebnissen. Dabei wird im univariaten Fall mit einer einzigen Outcomevariablen weder Varianzhomogenität, noch im multivariaten Fall mit mehreren Outcomevariablen die Gleichheit der Kovarianzmatrizen zwischen den Treatmentgruppen vorausgesetzt. EffectLite ermöglicht die Analyse von Mittelwertsunterschieden zwischen Gruppen bzgl. (a) mehrerer manifester Outcomevariablen, (b) einer oder mehrerer latenter Outcomevariablen und (c) einer Mischung beider Arten von Variablen. Die Ergebnisse schließen die Schätzung von bedingten und durchschnittlichen Effekten unter Berücksichtigung manifester Kovariaten, latenter Kovariaten, sowie einer Mischung beider Arten von Kovariaten ein. Die Kovariaten können auch qualitativ sein. In diesem Fall schätzen und testen wir auch den Haupteffekt des Treatmentfaktors in einem nonorthogonalen varianzanalytischen Design.
Workshop 4: Prof. Dr. H. Lausberg und Dr. A. v. Arnim
Bewegungsanalyse und Körperbildskulptur in der Diagnostik des Körpererlebens
14.00 - 17.30 Uhr, Teilnahmegebühr 20 EUR, max. 20 Teilnehmer

In diesem Workshop stellen wir zwei Methoden der körperbezogenen Diagnostik und der Körperbilddiagnostik vor: BewegungsAnalyseSkalen&Test© (Lausberg, 1997) und KörperbildSkulpturTest©. Beide Verfahren ergänzen sich in der Diagnostik des Körpererlebens, das sich sowohl in der Bewegung als auch in der Skulptur als "geronnener Bewegung" ausdrückt. In unmittelbarerer Weise als dies mit verbalen diagnostischen Methoden, wie z.B. Fragebögen, möglich ist, kann mit den beiden Verfahren Aufschluss über das Körpererleben einer Person gewonnen werden.
Workshop 5: H. Kirchmann
Einführung in das Erwachsenen-Bindungsprototypen-Rating (EBPR): Ein ökonomisches Interviewverfahren zur Einschätzung von Bindungsstilen
13.00 - 18.00 Uhr, Teilnahmegebühr 20 EUR, max. 25 Teilnehmer

Dieser Workshop führt in das Prozedere des EBPR ein und vermittelt mit Hilfe von Videobeispielen grundlegende Unterscheidungsmerkmale hinsichtlich des Antwortverhaltens von erwachsenen Probanden, die mit dem EBPR als sicher, ambivalent oder vermeidend eingestuft wurden. Bindungstheoretische Kenntnisse werden nicht vorausgesetzt. Der Kurs versteht sich als Einführung und soll eine Orientierung vermitteln. (Das Erlernen des EBPR erfordert eine zweitägige Schulung, das EBPR-Zertifikat ist an eine Reliabilitätsprüfung gebunden.)
Workshop 6: Kommission Lehre: Dr. I. Daig, Dr. G. Fabry, Dr. C. Petersen, Dr. S. Philipp, Dipl.-Psych. K. Rockenbauch
Seminare aktivierend gestalten: Workshop zur didaktischen Weiterbildung
13.00 - 18.00 Uhr, Teilnahmegebühr 20 EUR, max. 20 Teilnehmer

Es ist in den letzten beiden Jahren schon zur Tradition geworden, dass die Kommission Lehre der DGMP einen preconference-Workshop zum Thema Lehre anbietet. In diesem Jahre möchten wir wie in Leipzig das Thema "Seminare aktivierend gestalten" wieder aufgreifen. Starten werden wir mit dem Thema Lernzielformulierung, wozu es auch eine Übung geben wird (wer möchte, kann Lernziele aus dem eigenen Kontext mitbringen, an denen wir dann arbeiten). Im anschließenden Methodenteil besprechen und probieren wir verschiedene Lehrmethoden. Im dritten Teil werden wir das Thema Problemorientiertes Lernen (POL) in den Mittelpunkt der Veranstaltung setzen und exemplarisch durchspielen.
Workshop 7: Dr. med. W. Greiner und Dipl.-Psych. M. Koschke
Störungsspezifische psychotherapeutische Strategien für die Behandlung von chronischen Schmerzpatienten
16.00 - 17.30 Uhr, Teilnahmegebühr 20 EUR, max. 20

Schmerzen sind einer der häufigsten Gründe, weswegen Patienten einen Arzt aufsuchen. Besonders chronische Schmerzen stellen sich oft als ein schwer kurierbares Leiden dar. Eine lange "Patientenkarriere" mit vielen Untersuchungen, verschiedenen Diagnosen und Vorbehandlungen ist bei den Betroffenen oft zu finden. Trotz der Vielfalt und Evidenz der Ergebnisse der intensiven Schmerzforschung bleiben die Patienten häufig chronisch schmerzkrank und sind nicht selten in ihrer Arbeitsfähigkeit beeinträchtigt. Dieser Widerspruch scheint u.a. in der oft schwierigen Kommunikation mit solchen Patienten zu liegen. Der Workshop zu diesem Thema soll dazu beitragen, wissenschaftliche Erkenntnisse zu vermitteln und praxisorientierte psychotherapeutische Interventionsmöglichkeiten zu festigen. Dafür ist der Workshop untergliedert in einen theoretischen Teil und einen praktischen Übungsteil zum Thema "Kommunikation mit chronischen Schmerzpatienten".


Öffentlicher Abendvortrag am 24.09.2008


Prof. Dr. Wolf Langewitz
Arzt-Patient-Kommunikation und Psychosomatisches Denken
18.30 - 19.30 Uhr, Campus, Carl-Zeiss-Str. 3, Hörsaal 1

Wenn wir Psychosomatisches Handeln und Denken im Sinne von Thure von Uexküll als Aufgabe beschreiben, sich mit den individuellen Welten von Patientinnen und Patienten auseinander zu setzen, dann ist professionelle Kommunikation eine condition sine qua non. Kommunikation hat zwei Aufgaben: Zuhören, um die Welt des Gegenübers kennenzulernen und Sprechen, um die eigene Welt deutlich zu machen. Professionelle Arzt-Patient-Kommunikation hat technische Aspekte und Elemente, die in der Haltung der Ärztin wurzeln. Im Vortrag wird es darum gehen, anhand von Beispielen Technik und Haltung und das Zusammenspiel beider Faktoren zu demonstrieren.

Prof. Dr. Wolf Langewitz ist Internist und geschäftsführender Leiter der Abteilung Psychosomatik/Innere Medizin am Universitätsspital Basel. Seine Forschungsschwerpunkte umfassen die Arzt-Patient-Kommunikation und somatoforme Störungen. Im Rahmen von Aus-, Weiter- und Fortbildungen bietet er Kommunikationstrainings für Niedergelassene und Klinik Mitarbeiter an. W. Langewitz ist Präsident der European Association for Communication in Health Care.